Sunday, 6 April 2008

Milford & Doubtful Sound


Was für ein Wochenende ... Ich hatte solches Glück, während der letzten beiden Tage die sagenhafte Fjordlandschaft Neuseelands zu erkunden, und davon möchte ich euch hier berichten!
Zusammen mit zwei anderen Nationalparks bedeckt der sogenannte Fiordland National Park eine 2 Mill. Hektar große Weltnaturerbelandschaft, genannt South Westland World Heritage Area, hier im "unteren Drittel" der Westküste von Neuseelands Südinsel. Hier gibt es von Nord nach Süd entlang der Küste ca. 13 oder 14 Fjorde, die aus den Alpen im Landesinneren hinaus auf das Tasmanische Meer laufen und jeweils zwischen vier und 40 km lang sind. Vielleicht vom Grundprinzip her ähnlich einer Fjordlandschaft in Norwegen oder entlang der Westküste Kanadas (wie ich heute erfahren habe) - und dennoch, diese Landschaften hier in Neuseeland sind definitiv einzigartig. Meines Erlebnisses nach aufgrund der Tatsache, dass hier feuchtkühler Regenwald und bis zu 2000 m hohe Bergspitzen, teils mit Gletschern bedeckt, unmittelbar auf majestätisch ruhige Meeresläufe treffen und zugleich einer unglaublichen Vielfalt an Vegetation Platz bieten... Hier auf dem ersten Bild seht ihr Mitre's Peak, ein Berg der tatsächlich über 1700 m direkt aus dem Meer aufragt und DAS Wahrzeichen des Milford Sound ist - des ersten Sounds, den ich am Samstag den 5. April besichtigt habe. 

Ein weiteres Kennzeichen dieser Landschaft sind die unzähligen Wasserfälle, die unter dem Regen (der hier statistisch gesehn 200 Tage im Jahr fällt und aufgrund seines Umfangs in Metern, nicht mml oder cm gemessen wird!) auf das bis zu 10-fache ihrer "normalen" Größe anschwellen... 
und mitunter über mehrere Hundert Meter ihren Weg die Bergflanken hinab ins Meer suchen. Dieser Wasserfall hier rechts fällt über seinem letzten Stück über 80 m in die Tiefe... das Boot auf dem ich war brachte uns dabei so dicht ran dass wer vorne auf der Reeling stand klitschnass wurde hehe- was für echte Regenfans;-)

Dabei wurden wir mit so einem schönen Tag belohnt!!! Ich meine, seht euch nur mal dieses Panorama an... und versucht euch vorzustellen, da ein paar Stunden lang entlang zu fahren... sei es mit dem Boot so wie ich, oder mit dem Kayak (ruhiger und vermutlich noch mehr im Einklang mit der Natur und diesen gewaltigen Berglandschaften ringsum- möchte ich das nächste Mal auch unbedingt noch machen:-)

Wirklich, hier kann man nur mehr ehrfürchtig staunen... Ich hatte so eine schöne Zeit, einfach nur zu betrachten. Bekam sogar einen kleinen Sonnenbrand- so stark war die Sonne noch an diesem Nachmittag im "Herbst"! Und so faszinierend der Spaziergang am
Ende der Fahrt, zu Beginn des Sounds... die Maori erzählen
sich, dass einer ihrer Götter die Fjorde erschaffen hat, um den Menschen Schutz vor der offenen See zu bieten und ihnen Fischfang sowie den Abbau kostbarer Jade zu ermöglichen. Milford Sound, der nördlichste der Fjorde, ist dabei sein bestes Werk...

Tatsächlich verdanken die Fjorde vieles von ihrer Entstehung mehreren Eiszeiten, deren gewaltige Gletscher (manche bis zum 1500 m dick!) über Jahrtausende hinweg ihren Weg von den Alpen im Hinterland ins Meer hinab fanden und dabei riesige Gesteinsmassen bewegten, Täler glatt-/ausschliffen und majestätische Bergflanken schufen, die mehrerorts of senkrecht über mehrere Hundert oder gar Tausend Meter ins Meer hinabfallen... Gewaltig.

Ein weiteres, eher beunruhigendes Detail hier am "Pacific Rim of Fire" ist die sogenannte Alpine Faultline, sprich der Punkt, an dem die pazifische und australische Platte zusammenstoßen und dabei die Berge entstehen lassen... Wir fuhren mit dem Boot geradewegs über und an dieser Linie vorbei, und man kann sie hier im Gestein sogar erkennen- unglaublich. 
Ein großes Erdbeben ist übrigens schon 300 Jahre ausständig und wird mit 9.5 Einheiten auf der Richter-Skala erwartet... Dieses wird die Landschaft hier für immer verändern und einige der gewaltigen Berge, an deren Flanken die Bruchstelle verläuft, geradewegs in die Fjorde stürzen... Kann man sich angesichts der majestätischen Ruhe dieser Tage nur schwer vorstellen..
Weiters gibt es hier sogenannte Baumlawinen, von denen ich so zum ersten Mal in meinem Leben gehört habe: Der Untergrund, auf dem Vegetation wächst, ist im Wesentlichen reines Gestein, auf dem sich die Bäume nur durch gegenseitiges Verflechten ihrer Wurzeln halten... Wenn nun so ein Baum zu schwer wird, altert, bzw. sich zu sehr mit Regen ansaugt und/oder durch den Wind weggerissen wird, reißt dieser oft im Domino-Effekt eine ganze Bergflanke von Vegetation mit sich hinunter in den Fjord... so geschehn auf dem letzten Bild hier oben. Das dauert dann über 100 Jahre, bis sich die Vegetation wieder regeneriert hat,erste Moose, dann wieder Büsche, und letztendlich Bäume wachsen...



Am darauffolgenden Tag, Sonntag den 6. April, bin ich dann aufgebrochen, um einen weiteren Sound etwas weiter südlich, den Doubtful Sound zu erkunden. Auch dieser war eine wunderschöne Erfahrung... 
Zunächst ging's mit einem Boot über den Lake Manapouri, an dessen Ende wir ausstiegen und mit einem Bus einen 600 m hohen Pass überquerten, der uns hinunter zum Beginn des Fjordes und der Ablegestelle unserer eigentlichen Bootstour brachte. Der See, den ich soeben erwähnt habe, liegt beinah 200 m über dem Meeresniveau des Fjordes: Diesem Umstand verdankt Neuseeland die Entstehung eines gewaltigen Kraftwerk, das unterirdisch Turbinen speist, die vom Wasser des Sees mittels zweier riesiger Tunnels hinunter ins Meer gelassen werden... möglich ist dieser Durchlauf durch den ewigen Regen, der oben den See speist, und so kann die Stromproduktion im Großen das ganze Jahr über relativ konstant gehalten werden. 
Wir sind mit dem Bus übrigens auch tief in das Kraftwerk im Berg hinein gefahren: war recht spannend; der Bau hat Jahrzehnte gedauert, die haben sich da durch Granit & Gneiss bohren müssen, eine der härtesten Gesteinsformen überhaupt (so auch bei uns im Waldviertel zu finden,wie ich einigen Mitreisenden die schon mal in Österreich waren erklärt habe;)

Hier sieht man nun auf den Beginn des Doubtful Sounds hinab- mystisch und einfach schön, auch bzw. geradewegs wenn Nebel und feuchte Luft von den Bergflanken seitlich aufsteigen... Ringsum einfach nur Natur, immergrüne, feuchtkühle Wälder, die einzige (Schotter)strasse erst vor wenigen Jahrzehnten gebaut und sonst nichts für viele hundert Kilometer... das ist einfach nur beeindruckend. 

Auch hier brachte uns unser Boot während einer mehrstündigen "Kreuzfahrt" hinaus Richtung offenes Meer und dort durch die wunderschönen Landschaften des Fjordes... 
... vorbei an weiteren tosenden Wasserfällen die geradewegs aus der Vegetation zu kommen scheinen (heute nieselte es zwar, doch so richtigen tropischen Regen habe ich dennoch
nicht erlebt und so blieben auch diese Wasserfälle eher "bescheiden" in ihrem gesamten Ausmaß;-)

... und mittags dann geradewegs hinaus zu diesen frechen Meeres- bewohnern: Pelzrobben, die hier in der Sonne auf den Felsen knapp vor Beginn des Fjordes auf offener See "chillen" und zu den haarigsten Tieren der Welt (Neuseelands?) zählen!- 40.000 Haare haben die auf einem Quadratzentimeter, laut Ausführungen unseres tour guides gestern...:-)
Delphine, Große Tümmler oder "bottlenose dolphins", sahen wir übrigens auch in einem Seitenarm des Fjordes- herrlich, wie die aus dem Wasser schossen und ihre Sprünge vollbracht haben.. :-) hat mich an mein Delphinschwimmen in Kaikoura mit "Dolphin Encounter" erinnert... voll schön.

Das Unternehmen mit dem ich diese beiden Tage verbracht habe heißt übrigens wie schon anfangs erwähnt "Real Journeys"- sind echt gut unterwegs im Bereich sustainable tourism in den Fjordlandschaften, und sehr professionnel was Ablauf, Programm und Unterhaltung an Bord ihrer cruises angeht- gibt sogar die Möglichkeit einer "overnight cruise", die mehrere Fjorde zusammen mit einer Kayak-Expedition verbindet: eine gute Idee für später.. ;-)
Ja ich muß zugeben das hatte schon was für sich, etwas Touri-like unterwegs zu sein,hehe. Mit gratis Kaffee/Tee sowie Panoramaausblicken vom gemütlichen Boot aus... herrlich.
:-)

Die Fjorde Neuseelands... Ein magischer Ort... sowie einfach eine bezaubernde Naturlandschaft. Das hat man überdies gemerkt, als die Motoren des Bootes für kurze Zeit abgestellt wurden und für ein paar Minuten nur das Rauschen der Wasserfälle ringsum, vereinzelte Vogelstimmen, und sonst nichts... NICHTS zu hören war. Einfach nur Stille... 50 Menschen, die in Ehrfurcht innehalten. Kein Mucks war zu hören... kein Fluglärm von irgendwoher, keine Straße, nichts und niemand... unglaublich.

Ich möchte auf jeden Fall noch einmal kayaken gehen hier. Auf Du & Du mit der Natur ringsum, sowie einen der berühmten Treks gehen (Milford, Routeburn, Kepler Track)... mehrere Tage einfach nur draußen, in der Natur. Und seht sie euch an... kein Wunder, dass nicht weit von hier entfernt Herr der Ringe gedreht wurde..;-) Auf dem Foto hier, das sind immergrüne Buchenwälder, die von Moos und Flechten bewachsen vielen weiteren Pflanzen Halt und Platz geben und so ein dichtes Netzwerk an üppiger Vegetation bieten.

Ich verabschiede mich von diesem faszinierenden Wochenende inmitten einer der schönsten Landschaften Neuseelands und melde mich wieder von der nächsten Station: weiter gehts zu Beginn kommender Woche hinüber an die Ostküste, Richtung der "schottischen" Universitätsstadt Dunedin, und dann schön langsam wieder hinauf Richtung Norden und fürs erste zurück an die golden coast... ;-)

Freu mich schon und bin gespannt wie alles weitergeht. Mein Auto trägt mich & mein Gepäck weiter brav und erfreut sich bester "Gesundheit" und Laune, sowie seine beinah gleichaltrige Besitzerin,hehe.

Alles Liebe vom 45. Breitengrad Süd (auf halber Strecke zwischen Äquator & Südpol!)

Elli!

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