
Hallo ihr Lieben, und willkommen zu meinem Bericht über den Kepler Track !!!3 Tage, 60km- und was ich erst während dem Gehen/Wandern erfahren habe... >1000m Höhenunterschied (rauf und runter!!) sowie >10kg Gepäck über drei Tage tragen/schleppen... ;-)
WOW. Das war eine echte Grenzerfahrung. :-)
Doch schön der Reihe nach. Wie kam es denn überhaupt dazu, dass ich auf so eine für mich doch ziemlich extreme Erfahrung gestoßen bin?;-) (um mal meine Kollegen während meiner Abwesenheit zu zitieren: "Elena? Does she know what she is in for (has she ever done a tramp before)?" - "No." - "Aaahja.." :)

Nun, wie einige von euch bereits richtig vermuten, ist Neuseeland ja bekannt für die sogenannten "great outdoors" - die gewaltigen, weiten Naturlandschaften, die Nationalparks, die vielen unberührten Wälder und die Möglichkeiten, diese in einigen Mehrtageswanderungen zu erleben (Milford Track, Routeburn Track, Kepler Track etc. zählen mitunter zu den "schönsten Wanderstrecken der Welt").
Von dieser Idylle angesprochen, habe ich Anfang November
mit der Recherche begonnen, was erforderlich sei, um so eine Wanderung machen zu können (abgesehen von der nötigen Fitness, die ich mir dank meiner nunmehr körperlichen Arbeit doch irgendwo zugeschrieben habe..*grins*).
Eine Kollegin hat mir dann ihren Tramping-Rucksack geborgt, Schlafsack hab ich mir auch organisiert, Hüttenplätze gebucht... ;-) und schon ging's dann eigentlich los, am 22. November Vormittag.. !

Im Nationalparkzentrum (Fiordland, Te Anau) muss man seine Schlafplätze während der "great walking season" (Oktober-Mai, also Sommerzeit) vorreservieren und bezahlt dafür $45 pro Nacht pro Hütte. Damit hat man sicher einen Platz zum Schlafen und zahlt letztendlich auch für die Erhaltung & Wartung der Wanderwege...

Der erste Halt war Luxmore Hut auf 1074m Seehöhe. Dort angekommen, muss man (hm,zuerst seine Schuhe ausziehen,hehe- "Please take off your muddy boots!" vermutlich damit's net stinkt drinnen*ggg*) sich erst einmal registrieren und dann einen Schlafplatz in den "communal bunkrooms" aussuchen. (siehe Bild rechts)

Die ersten müden Tramper sind schon kurz nach 8 "ins Bett" gefallen,übrigens! ;)- ich hab da eher Schokolade, Wein und Kartenspiele mit anderen jungen Leuten vorgezogen, hehe. Mit meinem kleinen Kochtopf und der Trockennahrung bin ich dann auch Abendessen machen. Das war übrigens sehr lecker- Lamb Fettuccine und Nasi Goreng, kocht super auf und ist sehr nahrhaft,hehe;-) vor allem leicht zu tragen !!!!! Puh.

Am nächsten Tag, Sonntag den 23. November, ging es dann weiter über die Berge (wow und wie sehr man den Schlaf nach so einem anstrengenden ersten Tag braucht, und genießt!!) und zwar noch weiter hinauf :-O Richtung Mount Luxmore (auf dem Bild links, im Hintergrund) und letztendlich zur zweiten Hütte, Iris Burn. Also wieder bergauf. PUH !

Und das für ein paar weitere Stunden... ich sags euch. Aber so schön... wenn man dann stehen bleibt, und rundherum nur die Stille, die Weite, den Ausblick genießen kann. Dann den Gipfel stürmt (rechts!).
Ein herrliches Gefühl, auf so einem Berggipfel zu stehen. Weiß nicht, ob ich das schon mal gemacht habe, glaube nicht. Sehr berührend, aus eigener Kraft all den Weg hinaufgegangen zu sein: von 250m (Te Anau) auf 1250m (Bergspitze)... :-)

Der restliche Track des zweiten Tages führt oberhalb der Baumgrenze, vorbei an den sonderlichsten alpinen Gewächsen, teils totaler (Wind)stille, unterbrochen nur vom Ruf eines heimischen Kea (Alpenpapagei) die dort oben kreisen... (keine Geier in Neuseeland, hehe).
Auch hier war der Rucksack noch schwer (doch schon wesentlich leichter als am ersten Tag). Angenehm. Kein Lüftchen, an diesem Tag, da oben. Der See von Te Anau mit seinem südlichsten Seitenarm, glatt wie ein Spiegel... wunder, wunder, schön .

Nach der Bergspitzenwanderung führt der Weg über den sogenannten "Hanging Valley Shelter" wieder hinunter bis auf Höhe der zweiten Hütte, dem Iris Burn Hut.

Dort habe ich dann mal Rast gemacht und Zuflucht gesucht vor den ganzen sandflies, die es selbst auf über 1400m Seehöhe gibt, seufz. Dies sind Stechmücken die es entlang der ganzen regenverwöhnten Southwestcoast Neuseelands gibt, die aber eher den Namen "Beißmücken" verdienen. Böse Biester, ich sags euch... aaah ;-)
Hier führt der track nun wieder hinunter aus den Bergen in den Wald, der mit abnehmender Seehöhe auch zusehends dichter, grüner (das Moos, wie es leuchtet !!) und äh, nasser wird *g*. Pünktlich bevor das Wasser zu sehr zum tropfenden Problem wurde ;) bin ich dann aber zur Hütte Iris Burn gekommen und dort schon kurz nach dem Abendessen (zweites "Backcountry Cuisine Dehydrated Food Package- Nasi Goreng" ;-) echt aber so was von ins Bett gefallen... war soooooo erledigt !

Der letzte Tag war dann verhältnismäßig "einfach", denn er führte "nur" über 20km flache Talstrecke quasi hinaus aus den Bergen. zurück zu einem See (Lake Manapouri) 20 Minuten südlich von Te Anau. Doch was musste ich nach 2, 3 km feststellen?! (abgesehen von lustigen Dingen wie dieses "in-den-Baumstamm-Urwaldriesen-schlüpfen" hier links, hehe).
Ich hatte vom Bergabsteigen am Tag zuvor und der behutsamen Mehrbelastung von Muskeln und Füßen (zugunsten der Knie) zwei böse Blasen am linken Fuß bekommen... örks. Meine panikartige Frage an mich selbst: Wie soll ich das bloß noch weitere 20 km aushalten...?
Nun, auch darauf gibt es eine Antwort: Pflaster, extra Socken, und vor allem eins: viiieeeel Ablenkung.;-) im Gespräch mit anderen Trampern. Sonst wird man ein bissi äh wahnsinnig, über dem ständigen Schmerz... *grins*.

Fazit: Alles ist / wird möglich. Totale Grenzerfahrung so ein Track. Und ein ständiger Begleiter die körperliche Anstrengung, die am dritten Tag schon wie ein Jungbrunnen wirkt. So fit fühlte ich mich noch nie in meinem Leben, trotz 60 km Gehen !!! Unglaublich.
Und die vielen wundersamen Dinge unterwegs... Wasser aus Holz von einem umgestürzten Baumstamm pressen. Wow.

Eine Böschung rauf- und wieder runterkraxeln (mit immer noch 5-10kg am Rücken..) weil eine Hangrutschung den track auf ein paar Hundert Meter verschüttet hat und so ein "emergency detour" eingerichtet wurde... kam mir vor wie ein Kind im Wald :-) :-) 20 Jahre später... hihi.
Danger! Jawohl... doch wie ich mir auch am Ende gesagt habe: Was bleibt, ist einfach das Gefühl es geschafft zu haben. Nicht so sehr die Anstrengung eines jeden Momentes... eher das Lächeln ob der Tatsache, dass man es bewältigt hat.

Zu guter Letzt hat es auch noch mehrere Kilometer (leicht) geregnet, welcher letztendlich doch auch durch die Baumwipfel herabgetropft ist und uns ganz schön durchnäßt hat;-) Aber auch da holt einen das Lachen raus, zu diesem Zeitpunkt vor allem ob der Tatsache, dass es dem Ende zugeht, die Lorraine (meine Vermieterin) am Rainbow Reach carpark auf mich wartet, heiße Dusche, warmes Essen, der Geruch nach frischem Gewand, diese herrliche körperliche Müdigkeit die einen soooo gut und zufrieden schlafen lässt... :-)
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